Agile Transition

5 Dinge, die ich von meinem letzten Job gelernt habe

Foto: Lisa Schlager / Flickr.com

So langsam neigen sich die letzten Tage dem Ende zu. Ich beginne den letzten Job Revue passieren zu lassen. Ich habe viel gelernt über Menschen, Organisationen und Technik. Ich habe auch sehr viel über mich selbst gelernt. Das Interessante war jedoch wie alles zusammen funktioniert und auch nicht funktioniert hat.

Hier meine TOP 5:

Einbeziehung aller Mitarbeiter

Ich glaube an die Einbeziehung aller Mitarbeiter bei vielen Entscheidungen, die das Unternehmen betreffen. Ich glaube daran, weil aus meiner Sicht so das bestmögliche Ergebnis für das Unternehmen herauskommen kann. Entscheidungen sollen dort gefällt werden, wo die meiste Kompetenz im Unternehmen vorhanden ist. Entscheidungen bestehen jedoch meist aus vielen unterschiedlichen Aspekten. Die Kompetenz zu den Aspekten liegt bei denen, die es direkt betrifft: den Mitarbeitern.

Aber jeder kann doch nicht bei allem mitreden! – höre ich dann immer wieder. Das stimmt natürlich. Einbeziehung kann viele verschiedene Facetten haben: Umfragen, Interviews, Workshops, Feedbacks o.ä. Eine Einbeziehung sollte gründlich vorbereitet und auf die Zielgruppe zugeschnitten sein, damit sie gelingt.

Ich habe gelernt, dass eine Einbeziehung aller möglich ist. Ich habe durch die Zusammenarbeit mit den Kollegen sehr schnell gemerkt, wie ich sie z.B. in Architekturentscheidungen einbeziehen konnte. Ich habe auch gelernt, wie sie nicht funktioniert: In einem Workshop mit Kollegen fand ich mich nicht gut vorbereitet und abgestimmt auf die Zielgruppe wieder. Das hat 

Einbeziehung hat auch seinen Preis: Sie kostet Zeit. Dafür bekommt man Motivation und Identifikation. Lohnt sich also!

Geduld

In einem kleinen Unternehmen mit vielen Freiheitsgraden bestehen viele Veränderungsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen. Diese Möglichkeiten hatte ich auch in diesem Job. Ich bin sehr dankbar über die vielen Dinge, die ich ausprobieren durfte. Nicht alles hat funktioniert, aber das war auch nicht weiter schlimm. Vieles hat funktioniert und hat vielleicht den einen oder anderen zum Umdenken bewegt.

Ich habe gelernt, dass ich noch viel Geduldiger werden muss – vor allem mit mir selbst. Verhaltensänderungen bedürfen ständige Wiederholung und Reflexion. Nicht aufgeben, wenn man doch mal scheitert oder daneben tritt. Kleine Schritte sind manchmal schon ein großer Erfolg.

Ich bin dankbar für die vielen tollen Veränderungen, die ich bei meinen Kollegen beobachten durfte. Manche davon hatte ich für „unmöglich“ angesehen. Ein Beweis dafür, dass ich noch mehr Geduld haben sollte.

Rebellion vs. Inspiration

Ich: „Da könnte ich ausrasten..!“
Mein Kollege: „Ja, warum machst Du das nicht?!“

Das war die Essenz einer Diskussion zwischen meinem Kollegen und mir. Ich habe mich dadurch ermutigt gefühlt genau das zu tun. Meine Motivation war durch das „Auf den Tisch hauen“ wach zu rütteln, alte Muster zu durchbrechen und die Kollegen zum Nachdenken anzuregen. Und auch mein Kollege hatte sich sicherlich gedacht, dass es gut tut, wenn jemand laut die Dinge anspricht, die nicht stimmen. Im Nachhinein war klar, dass das nicht gut funktionieren konnte.

In einem anderen Team hatte ich mich komplett anders verhalten. Dort hatte ich durch positive Argumentation viele Probleme aus dem Weg geräumt und bin dabei positiv wahrgenommen worden: Geht nicht, gibt’s bei Dir nicht! Ich hatte es geschafft die Dinge umzusetzen und wirken zulassen, die das unterstreichen woran ich glaube.

Ich habe gelernt, dass Inspiration und Vorbildfunktion sehr viel stärker wirken, als der erhobene Zeigefinger und Fäuste, die auf den Tisch hauen. Vielen Dank, Daniel Dubbel, für diesen tollen Artikel: „Als Vorbild erreicht man mehr Menschen, als als Organisationsrebell.“ Vielen Dank, Simon Sinek, für die Inspiration zur Inspiration!

Architektur-Skills in die Teams!

Entscheidungen zur Software Architektur werden häufig getroffen. Ich habe oft erlebt, dass dies meist unbewusst passiert und die Struktur mal eben so verändert wird, ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein. Geschweige denn, alle anderen über die Strukturänderungen zu informieren oder gar zu befragen.

Es ist richtig und notwendig, dass die Architekturveränderungen von den Teams gestaltet und durchgeführt werden können. Sie baden die Entscheidungen schließlich aus. D.h. dort sollte auch die Kompetenz vorhanden sein, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Ich habe gelernt, dass fehlende Skills in der Software Architektur zu großen Unsicherheiten bei Veränderungen führt. Dadurch sind Fehlschläge vorprogrammiert. Im schlimmsten Fall mündet es in Angst vor Veränderungen und lähmt das gesamte Team oder sogar die Organisation.

Selbstorganisation heißt auch das Selbst organisieren

Selbstorganisation der Teams bedeutet, dass sich die Teams selbst darum kümmern, wie sie ihre Aufgaben erledigen, ohne dass jemand außerhalb des Teams das „Wie“ steuert. Selbstorganisation in den Teams fängt bei der Selbstorganisation des Einzelnen an:

  • Schaffe ich es nicht, mein Wissen und Fortschritt mit dem Team zu teilen, lasse ich die Kollegen u.U. auflaufen oder führe Sie unbewusst in die Irre und verursache somit vermeidbare Fehlerkorrekturen oder Mehraufwände
  • Schaffe ich es selbst nie pünktlich ins Daily, hat das Team es schwer die Arbeit richtig zu managen
  • Schaffe ich es nicht meinen eigenen Arbeitsplatz an das Arbeitsumfeld des Teams anzupassen, verursache ich unnötige Fehlerkorrekturen und verzögere damit den Arbeitsablauf
  • Schaffe ich es nicht, mir einen Überblick über die verbleibenden Aufgaben zu machen, kann ich nicht zuverlässig Auskunft über den Arbeitsstand geben und halte meine Versprechen, das Sprint Commitment, im Zweifel nicht
  • Schaffe ich es nicht, mich an die Absprachen aus der Retro zu halten, dann mache ich mich im Zweifel unglaubwürdig oder ziehe den Ärger des restlichen Teams auf mich

Ich habe gelernt, dass die Selbstorganisation eine Voraussetzung für die Selbstorganisation im Team ist. Entweder weil ich manche oben genannten Punkte vermisst habe oder aber weil manche bei mir selbst fehlen.

Danke

Es gab neben diesen Lektionen noch viele weitere kleinere Dinge, die ich gelernt habe. Dafür bin ich meinen Kollegen sehr dankbar. Auch für die Konflikte, die wir gemeinsam durchlebt haben. Am besten werden jedoch die gemeinsamen Erfolge, die wir gefeiert haben, in Erinnerung bleiben. Danke für die tolle Zeit!

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