Agile Transition

Hilf anderen und Dir wird geholfen

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Foto: Christopher Cook / Flickr.com

Wenn ich einer Kollegin oder einem Kollegen helfe, ist das ein fantastisches Gefühl. Es ist macht mich glücklich, in das frohe Gesicht zu blicken, nachdem das Problem gelöst ist oder der Sachverhalt verstanden wurde. Das macht süchtig, so dass ich es wieder und wieder und wieder tue. Ich hoffe ich kann damit andere anstecken und träume dabei von einer Organisation, wo jeder jedem hilft. Wäre das nicht unglaublich!? So viel positive Energie!?

Ein Team das sich gegenseitig unterstützt und untereinander hilft, ist unschlagbar. Eigentlich sollte dieses Verhalten ganz natürlich sein. Kooperation ist tief in unseren Genen verankert und der Grund warum es uns überhaupt heute noch gibt: Simon Sinek: Why Some Teams Pull Together and Others Don’t

Tatsache ist, dass wir uns in der heutigen Bürowelt nicht so unterstützen, so wie wir das eigentlich könnten. Und deswegen zähle ich das „Gegenseitige Helfen“ als Schritt zur agilen Transformation dazu. Wir müssen aus meiner Sicht alles aus dem Weg räumen was uns daran hindert uns gegenseitig zu unterstützen und zu fördern. Dazu gehört eine sichere Umgebung in der das möglich ist.

Die sichere Umgebung

Ein agiles Team, dass gegenüber äußeren Einflüssen durch einen Scrum Master geschützt wird, könnte eine sichere Umgebung sein, in der Vertrauen und Kooperation möglich sind. Aber ist ein solches Team wirklich sicher? Ich habe erlebt, dass sich sogar ein Abteilungsleiter hinter mehrere Teams stellt und einen Schutzraum anbietet. Trotzdem agierten die Teams ängstlich und zurückhaltend. Die Teams haben in der Vergangenheit mehrere Niederlagen erfahren. Das war sicherlich der Grund für Ihre Ängste.

Ich stelle mir jedoch die Frage, wie mit den Ängsten innerhalb der Organisation in der Vergangenheit umgegangen worden ist. Es war immer noch  ein abteilungsübergreifendes Mißtrauen in die Fähigkeiten der Kollegen zu spüren. Waren die Teams wirklich sicher? Haben sich die Abteilungen gegeneinander ausgestochen? Was hat sich in der gesamten Organisation abgespielt? Selbst durch viele Gespräche habe ich das nicht herausbekommen.

Ich glaube daran, dass die gesamte Organisation eine sichere Umgebung bereitstellen muss, damit Vertrauen und Kooperation entstehen können. Es reicht nicht aus, dass es kleine Inseln gibt, in der die „heile Welt“ zu finden ist. Diese sind allenfalls lokal erfolgreich. Wenn Teams keine sichere Umgebung haben, können sie nur schwer Vertrauen im Unternehmen erlangen.

Hilfe annehmen und um Hilfe bitten

Um Hilfe annehmen zu können, muss ich auch erstmal sagen, dass ich Hilfe brauche. Das heißt vielleicht, dass man ich mich im Daily vor das Team stelle und öffentlich bekannt gebe, dass ich Hilfe brauche. In einer unsicheren Umgebung würde ich so etwas wahrscheinlich nicht im Team tun. Das ist deshalb problematisch, da sich Hilfesuchender und Problemlöser so schwerer finden und auch die Entwicklung der Lösung potentiell länger dauert.

Hilfe annehmen heißt aber auch, dass ich jemandem anderen die Chance gebe ein gutes Gefühl zu erleben. Nämlich indem ich ihm ein „Danke“ schenke. Meist lerne ich beim Hilfe annehmen auch sehr viel, nicht nur über das Problem, sondern auch über den anderen Menschen.

So oder so habe ich mich für die positive Seite entschieden. Ich bin zwar nicht immer in einer sicheren Umgebung. Ich gehe jedoch immer wieder das Risiko ein, um Hilfe zu fragen. Menschen, die ein Hilfegesuch missbrauchen, stellen sich meist selbst öffentlich in ein schlechtes Licht.

Hilfestellung geben

Für mich persönlich ist es ein tolles Gefühl. Für die Teamarbeit ist es unverzichtbar. Schwierig wird es dann, wenn die Hilfestellung einseitig wird. Schließlich heißt Hilfe annehmen heißt auch Hilfestellung geben. Früher ist mir das häufig passiert, dass meine Hilfe all zu gern in Anspruch genommen wurde ohne dass dies gewürdigt wurde. Letztendlich hat das immer zu einer Trennung von der jeweiligen Person oder dem Unternehmen geführt.

Heute gebe ich Hilfestellung, wenn ich weiß, dass die Investition meiner Zeit sinnvoll ist und der Empfänger meine Hilfe zu schätzen weiß. Nicht selten investiere ich mehr Zeit als mir für meine Arbeit tatsächlich zur Verfügung steht. Das bringt mich nicht selten in Situationen, wo meine Arbeit liegen bleibt. Ich wäge ständig den Wert meiner Hilfe gegenüber der Fertigstellung der aktuellen Aufgabe ab. Helfe ich einem Kollegen bei der Fertigstellung einer höher priorisierten Aufgabe? Helfe ich einem Kollegen sein Wissen und seine Fertigkeiten weiterzuentwickeln? Helfe ich dem Unternehmen sich weiter zu entwickeln? Ich prüfe also – für mich – wo ich den meisten Wert für das Unternehmen und die Menschen, mit denen ich arbeite, erzeugen kann. Ich gehe dabei das Risiko ein, dass ich auch mal falsch liege.

Wenn ich um Hilfe gebeten werde, sage ich selten Nein. Und wenn, dann gibt es mindestens Tipps zur Selbsthilfe. In den seltenen Fällen ist jedoch mein Nein notwendig, um sich auf Dinge zu fokussieren. Ständig anderen zu Helfen kann zwar schön sein, nur die eigene Weiterentwicklung kommt dann gänzlich zum Stillstand.

Helfen im Team

Aus meiner Sicht merkt man an einem Team, dass es ein richtiges Team und keine Gruppe ist, wenn man die Art und den Umfang der Hilfestellung betrachtet. Ein Team sollte in der Lage sein, die ihm zugedachte Aufgabe zu erfüllen. Wenn ich mir also mein Team zusammenstelle, suche ich mir Menschen aus, die die notwendigen Fähigkeiten haben. Dabei achte ich darauf, wer an welchen Stellen Stärken und Schwächen hat.

Im MMORPG ist das noch deutlicher ausgeprägt. Da werden die Raids auch entsprechend den Skills der Charaktere zusammengestellt. Ansonsten kann der Endgegner nicht besiegt werden. Eine Niederlage macht dann meist sehr schnell deutlich, wo die Schwächen im Team sind.

In unserem Berufsleben gibt es alle zwei Wochen einen Endgegner (Sprint Goal) zu besiegen. Der nächste Raid (Sprint) läuft schon. Alle Teammitglieder sollten gemeinsam daran arbeiten das Sprint Goal zu erreichen. Der Heiler (Backend Entwickler) hilft dem Tank (UI Entwickler) an vorderster Front (Implementierung einer UI Komponente) am Leben zu halten (Implementierung eines Services, der die Daten für die UI Komponente liefert).

Im MMORPG ist der Indikator für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die Anzahl der gewonnenen Raids und das Level des höchsten Raids, der gemeinsam gewonnen wurde. Im Berufsleben ist es nicht ganz so einfach, da sowohl das Level der Team-Mitglieder als auch der Level des Sprints nicht eindeutig beziffert werden können.

 

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